Die Fischergassler – Gute Nachbarschaft und Zunftgedanken

Die Fischergassler, die den offiziellen Zusatz “Zunft Neuburger Fischerstecher e.V.” tragen, sind 1973 als Bürgerinitiative gegen die Ausbau- und Sanierungspläne der Stadt entstanden, die aus der Fischergasse die nördliche Tangente eines Innenstadtrings machen wollten. Sie haben rasch verstanden, dass es nicht genügt nur gegen etwas zu sein, sondern dass man auch positive Leistungen zeigen muss, um die eigenen Qualitäten zu demonstrieren. Aus diesem Grunde haben sie 1974, um Ihren Zusammenhalt und ihre Lebensqualität zu zeigen, das 1. Fischergassenfest abgehalten und damit einen Sinneswandel beim Neuburger Stadtrat und beim Oberbürgermeister bewirkt. Die Verkehrspläne wurden geändert und die Fischergasse wurde letztlich in der heutigen – sehr schön begrünten – Form ausgebaut.

Nachdem das Fischergassenfest nach den ersten Anfangserfolgen zur Dauereinrichtung wurde, stellte sich für die Bürgerinitiative die Frage nach einer neuen Organisation, und so entschloss man sich 1981 einen eingetragenen Verein zu bilden. Die Satzung dieses Vereins zeigt die Bestrebungen der Fischergassler sehr schön. Es ist ein traditionsbewusster Verein: Das zeigt das aus den mittelalterlichen Fischgrenzzeichen übernommene Wappen und die eingeführte Fischerzunfttracht. Zweck des Vereins sind Pflege der guten Nachbarschaft in der Fischergasse und des Brauchtums der historischen Neuburger Fischer- und Schiffsleutezunft. Mitglied in der Zunft kann jeder werden.

Das Fischergasslerjahr hat sich im Lauf der Zeit mit vielen Aktivitäten und Veranstaltungen gefüllt, die den gegenseitigen Zusammenhalt stärken. Im Frühjahr werden von den Männern die Zillen nach Reparatur und neuem Anstrich ins Wasser gebracht. Anfang Mai erfolgt dann der gemeinsame Gang zum Fischerkreuz am Finkenstein, das von der früheren Fischerzunft aufgestellt und von den Fischergasslern renoviert wurde. Anschließend trifft man sich im Garten eines der Mitglieder zu geselligem Zusammensein. Dann folgt im Mai das Fischergasslerfest und kurze Zeit danach die Nachfeier, die den Aktiven die Möglichkeit gibt, selbst einmal ohne Stress Feststimmung mit Julius-Bräu und Brotzeit zu genießen. Im Sommer und Herbst gibt es mehrere Termine, wo die Stechermannschaft an auswärtigen Fischerstechen in Donauwörth, Lauingen, manchmal auch in Straßburg oder in Sète teilnimmt. Daneben werden für einheimische und fremde Gäste Zillenfahrten auf der Donau durchgeführt. Die aktive Zeit auf der Donau beendet im Herbst eine Vereinsmeisterschaft im Fischerstechen und anschließend werden die Boote nach Reparatur in das Winterlager gebracht. Für Jung und Alt gibt es dann im Dezember noch eine stimmungsvolle Weihnachtsfeier. Zum Zusammenhalt gehört auch die Anteilnahme an persönlichen Festtagen einzelner Mitglieder.

Eine Frage soll schließlich noch beantwortet werden, die oft gestellt wird: Die beiden Vorstände heißen Kerzenmeister, weil dieser Name der früheren Zunftvorstände war, die bei den Fronleichnamsprozessionen die Zunftkerzen zu tragen hatten, während der jüngste Meister die Fahne tragen musste.

Die Fischergassler haben aus der damaligen Situation und Herausforderung der Stadtsanierung heraus etwas unverwechselbares – ganz eigenes – geschaffen. Ob es dauern wird, hängt davon ab, ob sich damit in Zukunft auch die künftigen Bewohner der Fischergasse identifizieren können.